Al Quaida ist die neue Internationale…“

In einen Interview der Berliner Tageszeitung "taz" über die Befindlichkeit arabischer Jugendlicher in Frankreich leugnete der renommierte Politwissenschaftler Alain Gresh, dass die Angriffe junger Morrokaner und Algerier auf in Frankreich lebende Juden antisemitisch motiviert seien. Gresh benutzte für das Phänomen den verharmlosenden Begriff "judeophob", was übersetzt "judenängstlich" bedeutet. Schuld daran sei die Politik des Staates Israel und die fehlenden Integrationbemühungen der französischen Regierung. Was die Versäumnisse der französischen Integrationspolitik anlangt, mag Greshs Kritik berechtig sein. Was er sonst noch äußerte, fand ich so haarsträubend, dass ich den folgenden Leserbrief schrieb.

 

Schon beeindruckend, mit was Alain Gresh so aufwartet: All das Gerede um den neuen Antisemitismus ist für ihn nur Gewese. Denn den gibt es ja eigentlich gar nicht mehr. Werden jüdische Schulkinder von Arabern mit Steinen beworfen oder Synagogen angezündet, ist das kein Rassenhass, sondern bloß harmlose Judeophobie. Da sollen sich die Angegriffenen nicht so haben. Die wahren Opfer sind in Wirklichkeit die, die die Steine schmeißen. Denn die zielen ja bloß auf jüdische Schulkinder, weil französische Rassisten ihnen den Zugang zur Mehrheitsgesellschaft verweigern.

Ähnlich flott hätte Gresh vor einundsiebzig Jahren den SA-Boykott verteidigen können. In Wirklichkeit war Hitler nämlich gar kein Antisemit. Er war nur ein wenig judeophob, weil die Alliierten in Versailles so garstig mit seiner sauberen Wahlheimat umgesprungen waren. Deshalb musste er ersatzweise dann die quälen, vor denen er Angst hatte. Und irgendwie waren die – zumindest nach Greshs Logik – daran auch selber schuld. Schließlich wollten ein paar von ihnen ja damals schon nach Palästina, um von dort aus die gesamte arabische Welt mit Krieg zu überziehen und eine Milliarde Muslime von Marokko bis Pakistan zu unterdrücken.

Gresh arbeitet mit Halbwahrheiten, wirft Nebelkerzen und verkauft faule Eier als leckere Erkenntnisäpfel. So wie er reden nur dumme Gelehrte oder clevere Kreidefresser.

Noch beeindruckender allerdings ist, dass die „taz“ diesen vermeintlichen Nahost-Fachmann und „Sohn einer Jüdin“ (ergo Jude, so einer kann nichts gegen Juden haben...) anscheinend für voll nimmt und ihm unkommentiert ein Forum bietet. Statt ihn als zu entlarven, was er ist, nämlich ein „linker“ Antisemit, der stramm mit zweierlei Maß misst und seine Augen tapfer davor verschließt, dass große Teile des muslimischen Proletariats (auch in Europa) ideologisch längst auf „Stürmer“-Niveau getrimmt sind, und zwar durch Schriften wie die „Protokolle der Weisen von Zion“, die seit den Dreißiger Jahren zur Standardlektüre jedes braven „Muslimbruders“ und entsprechender Nachfolgeorganisationen gehören.

Eine üble Auslassung. Journalistisch wie politisch. Wenig lauter und bestenfalls blind.