Hier ensteht die Galerie. Als Vorgeschmack gibt es schon mal ein paar Bilder und Ziwschentexte. Sobald ich begriffen habe, ob und wie das Hochladen etwas geschmeidiger klappt, wird nachgelegt. Die Gemälde haben unterschiedliche Fomate, die von ca 40 x 30 bis hin zu 130 x 100 variieren und sind sämtlich Acryl auf auf Leinwand. Preise und Details auf Anfrage.


Badefreuden in Warnemünde, 2006

  


                                                                                                                       

                                                                                                                        Hommage an Lydia Busse 1, 1993

   

Die Augen des Jägers, 2005 

Die Augen des Jägers

Laut Weltbank bewohne ich eines der reichsten Länder der Erde. Es ist angeblich auch eines der freiesten. Mein Wasser kommt aus der Wand, die Milch aus der Tüte und das Licht aus Steckdose. Das Brot ist aromaverpackt, ich kann mich gegen alle möglichen Gefahren versichern und in jedem Supermarkt dreißig verschiedene Shampoos erstehen. Will ich über die Straße, sagt mir eine Ampel, wann ich losgehen darf. Ich bin gemeldet, registriert und der Zahlencode auf meinem Personalausweis weiß mehr über mich als ich selbst. Möchte ich abends entspannen, darf ich mir auf vierzig Kanälen das Resthirn absaugen lassen und habe die Wahl zwischen Dutzenden von Telefonsexnummern.

Die Tuareg leben in einer der ärmsten Regionen der Erde, wo Demokratie und Menschenrechte Fremdworte sind. Sie reiten, tragen Waffen, backen ihr Brot über der Glut, und haben keinen Schimmer, was eine Police ist. Papiere besitzen die Wenigsten. Fernsehen entfällt, weil es im Zelt keinen Strom gibt. Ihr Wasser kommt aus Tierhäuten. Doch sie lesen die Sterne und wissen, wie man in trockenen Flussbetten Tränken fürs Vieh gräbt. Wenn sie hungrig sind, gehen sie jagen. Manche rauben auch. Sie kennen keine Paragrafen, aber halten sich an ihre eigenen Gesetze, und wer dir sein Wort gibt, bürgt mit der Ehre.

    

Der Seher, 2006 

   

     

In der Mojave Wüste

 

  

Casey Jones'  letzte Fahrt, 2003

 

     


                                                                                      

                                                                                       Berliner Delikatessen, 2003 ( Aus der Serie "Selbst-Essen-Macht-Fett")

 

    

Milo Yellowhairs großer Bruder, 2006 

Milo Yellowhairs großer Bruder

Mit siebzehn kam ich nach Tulsa, Oklahoma. Als Austauschschüler. Dort ging ich auf eine Schule im schwarzen Teil der Stadt, die „Booker T. Washington High School“ hieß. Es gab auf dieser Schule nicht nur viele Schwarze, sondern auch viele Indianer. Bis 1907 war Oklahoma Indianerterritorium. Dann fand man Öl und Oklahoma wurde ein Bundesstaat und die Indianer durften ihr Land verkaufen und sich betrinken und in den neuen Benzinkutschen durch die Stadt fahren und in die Luft schießen, bis ihnen der Sprit und das Geld ausgingen und der Sheriff sie in die Bretterhütten, Zelte und Wellblechbaracken zurücktrieb, aus denen sie gekommen waren. Sofern sie die nicht auch längst der Standard Oil gehörten.

In Oklahoma lebten eine Handvoll Apachen und Sioux aus dem Westen, aber die Masse der Indianer stammte ursprünglich aus dem Osten und zählte zu den „fünf zivilisierten Stämmen“, die Anfang des 19. Jahrhunderts noch zwischen Florida und den Carolinas siedelten. Der größte der Stämme nannte sich „Tschalagi“, was die Bleichhäute zu „Cherokee“ verballhornten. Die fünf Stämme benutzten eine eigene Schrift und wohnten in festen Häusern. Eine ganze Reihe von ihnen hatte sich taufen lassen und den alten Göttern abgeschworen. Vielleicht gab es deswegen gewisse Hemmungen, sie genauso wahllos abzuschlachten wie die übrigen „Wilden“. In einem kleinen Museum unweit von Tulsa kann man sich die Verträge ansehen, die die Landrechte der Cherokee, Creek, Choktaws, Cickasawas und Seminolen regeln sollten. Jeder Vertrag verspricht ihnen auf ewig das Gebiet westlich von irgendeinem Fluss oder einem Höhenzug. Alle paar Jahre gibt es einen neuen Vertrag, und der jeweilige Fluss oder Höhenzug rückt ein Stück weiter nach Westen. Jedes Mal wird der Vertrag im Namen des großen weißen Vaters geschlossen, auf ewig, solange die Sonne aufgeht und der Mond wiederkehrt und Wasser vom Himmel fällt. Und alle paar Jahre wieder ist der Vertrag nichtig und die Indianer dürfen wieder ihre Sachen packen, ihre Hütten verlassen und weiter ziehen.

1830 dann hatten die Weißen wohl keine Lust mehr, dauernd neue Verträge zu schreiben, oder das Papier war alle, oder sie kamen sich inzwischen selber albern vor. Also schickten sie die Armee. Die löste die Tschalagi-Siedlungen auf und schaffte die meisten in Sammellager, wo Hunger und Seuchen grassierten. Wer nicht an Typhus starb und artig war, durfte später in Begleitung der Kavallerie nach Westen wandern, ungefähr zweitausendzweihundert Meilen, ins Nirgendwo hinterm Mississippi, in die trockenen, unfruchtbaren Hügel von Oklahoma, wo es damals nur Steppenhexen und Staub gab, und kein Weißer sich je freiwillig niedergelassen hätte. Der Weg war lang und beschwerlich. Die Tschalagi nannten ihn den „Pfad der Tränen“. Trotzdem lebte 1838 noch ungefähr ein Drittel von denen, die mal aufgebrochen waren. Sonst hätte ich kaum mit ihren Urenkeln zur Schule gehen können.

Immerhin.

Fast das gesamte Territorium der USA wurde durch derlei Aktionen erschlossen, wobei die Vertreibung der Tschalagi die eher humane Variante darstellt. Gut neunzig Prozent dieser Landerschließung vollzog sich zwischen 1800 und 1892. Quasi vorgestern. Im Dezember 1890 ergaben sich am Wounded-Knee-Creek die letzten Lakota-Sioux, die sich einer dieser ethnischen Säuberungen widersetzen, der Armee. Aus ungeklärten Gründen kam es nach Entwaffnung der Krieger zu einem Massaker, dem ungefähr die Hälfte der Männer und ein Drittel der Frauen und Kinder zum Opfer fiel. Wer von den übrigen Indianern noch laufen konnte, floh in die Berge, wo die meisten erfroren. Der Rest wurde zu einem Fort getrieben und durfte davor im Schnee kampieren, bis Proteste schließlich dazu führten, dass man den Alten, den Frauen und den Verwundeten Obdach in festen Behausungen gewährte. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits Telefone, Automobile, Wolkenkratzer und transatlantische Telegrafenverbindungen.

Daran muss ich gelegentlich denken, wenn von den humanitären Traditionen westlicher Zivilisation die Rede ist.

Milo Yellowhair war ein Lakota, knapp zwei Meter groß, und ob sein Großvater auch am Wounded Knee starb, hat er mir nie verraten. Milo hatte ein aknevernarbtes Gesicht und sah aus wie die hässlichen, bösen Indianer, die in Downtown Tulsa vor den Alkoholläden zu hocken pflegten und sich um Schnaps stritten. Tatsächlich sprach mehrere Sprachen, kümmerte sich um gefährdete Jugendliche im Reservat und machte Lakota-Radio. Außerdem spielte er in einer Rockband. Getroffen habe ich ihn in Berlin, wohin er sich mit einer Delegation von nordamerikanischen Ureinwohnern verirrt hatte, die an einem Kongress teilnehmen sollten. Als er hörte, ich sei mal auf die „Booker T. Washington“ gegangen, war ich für ihn plötzlich nicht mehr irgendein weißes Arschloch, sondern fast ein Mensch. Denn gegen das Football-Team der „Booker T.“ war er mal angetreten. Die Jungs seien gut gewesen, sagte er. Das färbte auf mich ab. Er erzählte von den Anthropologen, die ins Reservat kämen, um indianische Bräuche zu studieren. Sie stürzten sich wie die Aasgeier auf jedes Relikt traditioneller Rituale. Die absolute Pest. Aber da sie genauso humorlos seien wie die allermeisten Mehrheitsamerikaner und in allen Reservatsbewohner nur bedauernswerte, minderbemittelte Opfer sähen, könne man ihnen den letzten Dreck erzählen. Darum seien die Säufer im Reservat auf fiktive Legenden spezialisiert. So griffen sie bei den Anthros ihr Geld für Schnaps ab. Diese Storys seien genauso authentisch wie die bunten Zementbrocken, die aus Kreuzberger Gehwegplatten geschustert am Check-Point-Charlie als Mauerreste verramscht würden, doch übermorgen stünden sie in den Textbüchern, und wenn seine ungeborenen Enkel sie in sechzig Jahren dann läsen, liefen sie Gefahr, die versoffenen Hirngespinste irgendeiner durstigen Kehle für bare Münze zu nehmen. Darum seien ihm Rassisten der alten Schule grundsätzlich auch lieber als die politisch stubenreinen Anthros. Denen könne er wenigstens gepflegt was auf die Schnauze hauen.

Ich habe keinen Schimmer, was Milo heute so treibt. Hoffentlich lacht er noch so laut wie damals.

 

Einsam überm Nordatlantik, 1996

 

  


 

Moskauer Veteran, nach einem Motiv von Oliver Sievers, 2006

 


                                                                                              Wenn ihr meine Hände sehen könntet - Bäuerin in Nepal, 2006

   

 

Zigarettenpause bei der Olivenernte, 2006

  


                                                     

                                                     Die Flucht des letzten deutschen Helden 3, 2002

                     


Zwischen Oranienburger und Funkturm, 2004, Acryl

Auf dem Umschlagplatz, 2006

Auf dem Umschlagplatz

In dem Buch „Der gelbe Stern“, das Zeugnisse der Judenvernichtung enthält, gibt es eine Reihe von Fotos, die ich mal zu Bildern machen wollte. Dies ist eins davon.

Die Vorlage zeigt Vater und Kind auf dem Sammelplatz, kurz vor der Deportation. Zeit und Ort sind nicht angegeben. Ich denke irgendwo in Polen, irgendwann zwischen 1941 und 1943. Warschau, Krakau, Lublin, Lemberg. Aber es kann auch Przemysl sein. Oder Lodz. Oder einer von zig anderen Orten.Die Augen des Mannes packten mich. Die Augen des Vaters, der sein Kind liebt und es hält und es schützen will und weiß, dass er das nicht kann. Diese Augen, dachte ich. Wo war Gott, als der so guckte.

Lange her, dass ich das Foto das erste Mal sah. Es hat mich verfolgt. Den Ausdruck der Augen konnte ich trotzdem nicht malen. Auch eine Art Antwort.

Von einem Mann aus Galizien, der 1947 nach New York ging, weiß ich, wie ihm geschah, als man ihn aus Lemberg deportierte und von seinen zwei Töchtern und seiner Frau trennte. Das war im August 1942. Die Waggons hielten auf einer Bahnstation außerhalb der Stadt. Soldaten rissen die Türen auf und befahlen den Männern auszusteigen. Wer zögerte, den scheuchten sie mit Tritten und Gewehrkolben raus. Er kauerte neben der Familie in einer Ecke. Zwei SS-Leute prügelten auf ihn ein. Seine ältere Tochter flehte: „Bitte, bitte Vati, geh’, sonst schlagen sie dich tot.“ Draußen auf dem Perron, wo sie sich in Reih und Glied aufstellen mussten, hieß es, die Frauen und Kinder kämen zur Feldarbeit in Ukraine. An diesem Tage regnete es in Strömen. Der Befehlshabende trug eine Pelerine, so dass er seinen Rang nicht erkennen konnte. „Herr Oberst“ bat er, „sagen Sie mir, was kann ein Kind auf dem Feld schon groß ausrichten?“ Da hatte der Deutsche sich abgewandt.

Im Lager teilte man ihn ein, Kleider zu sortieren. Die kamen aus Belzec, und stammten von den Menschen, die man dort getötet hatte. Tausende von Mänteln, Hüten, Hosen, Röcken, Jacketts, Hemden, Blusen, Strümpfen und Miedern, die geordnet, entlaust und ins Deutsche Reich zur nationalsozialistischen Volkswohlfahrt geschafft wurden. Eines Morgens stolperte er über ein Kleid. Er erkannte das Muster, den Schnitt und den Stoff. Es war das Kleid seiner Tochter. Vierzig Jahre danach noch rang er die Hände: „Ich habe meine Kinder aufgegeben, meine beiden kleinen Mädchen. Ich habe sie zurückgelassen. Für was?“

Mir hat er das übrigens nie so gezeigt. Mir hat er bloß gesagt: „Ich habe meine zwei Kinder im Krieg verloren…“

Er war ein stolzer Mann. Ansonsten war er der einzige in seiner Familie, der mich trotz meiner Herkunft nicht hasste, obwohl er zwölf Ghettos und Lager hinter sich hatte, und alle sagten, es brächte ihn ins Grab, dass ich mit der Enkelin seiner Frau Tisch und Bett teilte.

Bei unserer ersten Begegnung wollte er wissen, ob ich kein Heimweh habe, und als er hörte, dass ich mich nach meiner Muttersprache sehnte, lächelte er, und sein nächster Satz kam auf Deutsch. Vorm Sterben hatte er keine Angst. Nur davor, dass danach niemand mehr die Namen seiner beiden Töchter erinnerte und Kerzen für anzündete.

Jahre später bin ich mal an den Ort gefahren, wo zwischen dem Frühsommer 1942 und Anfang 1943 die Mordfabrik stand, in der man seine Kinder tötete. Er liegt im heutigen Ostpolen, in einer waldigen, schönen Landschaft, zu Füßen eines sanft geschwungenen Hangs. Das Lager selbst ist fort. Noch während des Krieges tilgten die Täter alle Spuren. Doch es gibt da ein Denkmal. Felsbrocken, die auf dem Terrain des früheren Lagers verstreut sind. Dazwischen ein Weg. Am Rand des Wegs in rostigem Eisen die Daten der eingehenden Todestransporte und die Namen der Städte, aus denen sie kamen. Im August 1942 gab es jeden Tag Transporte, oft mehrere, und ich brauchte ziemlich lange, bis ich schließlich die Platte fand, auf der das Datum und der Ort passten. Ich legte einen Stein dazu. Das macht man so auf jüdischen Friedhöfen. 

Hinterher sagte ich mir, du bist vermessen. Hier könntest du überall Steine verteilen. So viele Steine, wie keiner im Leben tragen kann. Und: Falls dich je einer fragt, woran dein Land eigentlich zerbrochen ist, und wo er denn hin ist, der Geist, die Ehre und die Würde, und die Kraft und der Mut, dann sag ihm: Sieh unter den Toten nach. In der Erschießungsgräben der Einsatzgruppen. Auf den Aschefeldern neben den Krematorien. Im Mörtelstaub des geschleiften Lubliner Ghettos, in der blutgetränkten Erde von Lodz. Wenn du dich dann noch wunderst, kann dir keiner mehr helfen.

Zweite Begegnung mit Fräulein NIsser, 2006

Zweite Begegnung mit Fräulein Nisser

Mein Vater nannte sie immer nur Nisser. Außer, er begrüßte sie. Dann setzte er ein Fräulein davor. Als ich ihr das erste Mal begegnete, war ich fünf oder sechs und sie bereits weit über siebzig. Zunächst war sie mir ein bisschen unheimlich. Eine gekrümmt am Stock gehende alte Frau mit großer Nase und Buckel. Ich fand, sie sah aus wie eine Hexe, aber mein Vater, der mich zu ihr mitgenommen hatte, schien überhaupt keine Angst vor ihr zu haben. Außerdem wirkten ihre großen, braunen Augen alles andere als arglistig. Am Ende ließ ich es sogar zu, dass sie mich anfasste. Sie hatte krummgearbeitete, altersfleckige Hände voller Gichtknoten. Bauernhände.

Fräulein Nisser stammte aus Böhmen. In die Schule war sie nur vier oder fünf Jahre gegangen, und das im Winter auch bloß unregelmäßig, weil es für die sieben Geschwister nur drei Paar Schuhe gab. Irgendwann zwischen den Kriegen war sie nach Hamburg gekommen und hatte im Haushalt meiner Großeltern auf die Kinder aufgepasst, zumindest solange mein Großvater dafür noch Geld hatte, was spätestens ab Ende der Zwanziger vorbei gewesen sein dürfte, sonst hätte mein Vater kaum das Mittagessen im Henkelmann von der Volksküche abholen müssen.

Fräulein Nisser arbeitete um diese Zeit bei einer jüdischen Familie in der Isestraße. Dort konnte sie auch nach den Rassegesetzen von 1935 noch bleiben, also muss sie damals älter als 45 gewesen sein. Es gab da einen einzelnen Jungen, und sie erzählte, dass seine Eltern, die nicht mehr ganz jung waren, sich extrem viele Gedanken um Bakterien und Keime gemacht hätten und sie seinen Teller und das Besteck vor den Mahlzeiten immer besonders gründlich habe putzen müssen. Später sei der Junge dann Typhus gestorben.

Anfang des Krieges ging Fräulein Nisser zurück nach Böhmen. 1945 oder 1946 kam sie zurück. Als Vertriebene. Nackt und barfuss. Nur einen Regenmantel hätten die Tschechen ihr gelassen, sagte mein Vater.

Fräulein Nisser hat bestimmt nie für Henlein gestimmt, und wenn sie über den Jungen aus der Isestraße mit den ängstlichen, alten Eltern sprach, sah sie aus, als ob sie innen drin weinte.

Als ich meinen Vater das letzte Mal zu ihr begleitete, lebte sie im Altersheim. Was denn nach ihrem Tod werden solle, fragte sie meinen Vater. All ihre Angehörigen seien fort und das Grab ihrer Eltern läge hinter der Grenze. Sie kommen zu uns, sagte mein Vater. Zu unserer Familie. Da ist Platz genug.

Die Frau auf diesem Bild ist nicht Fräulein Nisser. Sie sieht nur fast genauso so aus wie sie und könnte ihre ältere Schwester sein. Ich vermute, dass sie irgendwann im Verlauf des Sommers 1944 aus Ungarn nach Auschwitz-Birkenau verschleppt wurde. Dort hat ein SS-Mann sie dann auf der Rampe fotografiert. Kurz bevor der LKW kam, der die nicht mehr Gehfähigen zu den Gaskammern schaffte.

Sie hatte auch einen Stock, und ob sie Deutsch sprach, weiß ich nicht. Aber falls sie Deutsch sprach, wird sie wahrscheinlich genauso wie Fräulein Nisser „I“ statt „Ü“ gesagt haben. Vielleicht war sie Witwe, vielleicht ist der Alte, der da im Hintergrund im Rollstuhl sitzt, ihr Mann. Vielleicht war sie Großmutter. Vielleicht war sie auch unverheiratet. So wie Fräulein Nisser. Ich habe keine Ahnung. Sie sieht aus, als habe sie ihr Leben lang gearbeitet, irgendwo auf dem Land. 

 Ich denke an schwarze Erde und Fräulein Nissers rostige, warme Stimme und an Ziehbrunnen und Ziegen und weite, gelbe Horizonte, und sage mir, das ist also der Feind, gegen den dein Vater hat kämpfen helfen.